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WIR UND DAS STÜCK:
Als die Schauspielzeit anfing, hatte jeder von uns
sehr unterschiedliche Vorstellungen und Wünsche, was für ein Stück wir aufführen wollten. Sinnvoll sollte es sein, aber auch lustig, spannend
und abwechslungsreich, eine Komödie oder doch lieber ein Krimi, auf jeden Fall einzigartig und wunderbar... „Wir improvisieren!“ Kein
fester Text, keine vorgegebene Handlung, war ein Vorschlag. Wie soll das gehen? Die erste Reaktion war Zweifel und Verneinung. Wie sollten wir,
ohne jegliche Erfahrung oder schauspielerische Ausbildung, ja vor allen Dingen ohne überhaupt jemals im Theater gewesen zu sein, so etwas herstellen?
Nach einigen Versuchen zu improvisieren, war die Hälfte der Gruppe bereit, so ein Wagnis einzugehen. Die andere Hälfte wünschte sich Text, Form
und Struktur als Unterstützung. Nach langen Diskussionen und der Lektüre vieler, vieler Stücke, kamen wir zu einem tollen Kompromiss. Ein Stück das
wie improvisiert wirkt, es aber nicht ist: „Heute Abend wird aus dem Stegreif gespielt...“ von Luigi Pirandello, in dem er sich mit dem Thema
Improvisation und festgeschriebenem Text auseinandersetzt.
Nun war es aber doch nicht so einfach, wie wir uns es vorgestellt hatten. Die Geschichte
verwirrte uns anfangs sehr, besonders wegen ihrer Struktur. Die Handlung selbst war ja nicht, wie bei den meisten Stücken, konstant, sondern wurde immer
wieder von den Diskussionen der Darsteller unterbrochen. Diese Tatsache erschwerte den Versuch, das Stück als ganzes zu verstehen. Viel klarer wurde es
uns, nachdem wir die Novelle, auf der das Stück basiert, gelesen haben. Besonders das Hauptthema und die starken Bilder und Handlungen berührten uns sehr.
Einen Traum aufzugeben und Kompromisse zu schließen aus Angst oder Sicherheitsbedürfnis ist etwas, was wir alle nachvollziehen konnten. Jeder von uns konnte
Teile von sich selbst in jedem der Charaktere wiedererkennen.
Bei den Proben wurde uns dann die größte Herausforderung des Stückes klar: eben dieser
Wechsel zwischen Theater und Realität, den Charakteren und den Darstellern selbst. Wie sollten wir eine Rolle spielen und gleichzeitig uns selbst
inszenieren, so wie wir sind? Wie kann man diesen klaren Unterschied verdeutlichen? Noch dazu, ist es möglich, Text zu memorisieren und ihn so vorzutragen,
als ob er als Vorlage gar nicht existierte? Je mehr wir uns mit dem Stück beschäftigten, desto klarer wurden die Antworten zu diesen Fragen. An der
Umsetzung haperte es noch öfters. Regieanweisungen wie „Mach es einfach“, oder „willst du nicht lieber Specksteineulen schnitzen“ sowie „wir
müssen uns alle ganz doll lieb haben“ haben sich im nachhinein als sehr hilfreich und motivierend erwiesen.
Ähnliche Schwierigkeiten entstanden
auch bei den jeweiligen Arbeitsbereichen. Durch die vielen verschiedenen Gestaltungsmöglichkeiten konnten wir uns nicht auf eine Version des Bühnenbilds
oder der Kostüme festlegen. Noch zwei Wochen vor der Aufführung kamen Änderungen und neue Ideen dazu. Durch den Frust, die Tränen, die kleinen
Streitereien aber auch den Spaß, den wir dabei hatten, konnten wir zum Endergebnis kommen und zur Entdeckung diverser Fähigkeiten, die in jedem Gruppenmitglied
stecken. „Das kann ich nicht“ oder „ich werde es versuchen“ sind Sätze, die nunmehr aus unserem Wortschatz gestrichen sein müssten.
Alles in allem war es eine einzigartige Erfahrung, auf diese Art und Weise an einem solchem Projekt beteiligt zu sein. Selten bekommt man die Möglichkeit,
sich in so vielen verschiedenen Bereichen kreativ auszutoben. Da wir teilweise den ganzen Tag damit beschäftigt waren, wichen die kleinen Probleme des Alltags
immer mehr in den Hintergrund. Es ist ein unbeschreibliches Gefühl, bei so einem Entstehungsprozess dabei sein zu dürfen, vor allem mit dem Wissen, dazu
beigetragen zu haben.
Viel Spaß!!!
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