Stegreif

Heute Abend wird aus dem Stegreif gespielt!

Aufführungen am 20. /21. und 22. März jeweils um 20 Uhr
9 Euro (ermäßigt: 6 Euro)
 

Auf Sizilien in den 1920er Jahren. Eine junge Frau heiratet. Sie befreit sich von ihrem Elternhaus und opfert für die Ehe ihre Liebe zur Musik. Jahre vergehen und sie muss erneut ausbrechen: aus dem Gefängnis, indem sie von ihrem eifersüchtigen Mann festgehalten wird.
So oder so ähnlich hat es sich der Regisseur vorgestellt und mit seinen Darstellern abgesprochen. Oder? Das Spiel im Spiel beginnt. Ähnlich wie bei „Sechs Personen suchen einen Autor“ von Luigi Pirandello wird mit Witz und Tragik jongliert. Und nicht nur auf der Bühne improvisiert... Ebenso wechseln die Schauspieler den Ort des Geschehens und spielen auf anderen Schauplätzen im Haus weiter. Die Grenzen zwischen Theater und Realität verschwimmen. Die übliche Perspektive, die den Zuschauer von den Akteuren trennt, wird aufgehoben.
Ein bittersüßes Stück voller Wendungen, gekrönt durch sein überraschendes Ende.



Pirandello wurde als Wegbereiter bekannt, indem er solche existentialistischen Themen wie Selbstbetrug, Illusionen, den Zwiespalt zwischen eigenen Wünschen und von der Gesellschaft aufgezwungenen Rollen behandelte. So schuf der Autor und Dramatiker die bedeutendste Verbindung zwischen dem 19ten und dem 20ten Jahrhundert für die Italienische Literatur. Der gebürtige Sizilianer erhielt 1934 den Nobelpreis.

 

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WIR UND DAS STÜCK:

Als die Schauspielzeit anfing, hatte jeder von uns sehr unterschiedliche Vorstellungen und Wünsche, was für ein Stück wir aufführen wollten. Sinnvoll sollte es sein, aber auch lustig, spannend und abwechslungsreich, eine Komödie oder doch lieber ein Krimi, auf jeden Fall einzigartig und wunderbar... „Wir improvisieren!“ Kein fester Text, keine vorgegebene Handlung, war ein Vorschlag. Wie soll das gehen? Die erste Reaktion war Zweifel und Verneinung. Wie sollten wir, ohne jegliche Erfahrung oder schauspielerische Ausbildung, ja vor allen Dingen ohne überhaupt jemals im Theater gewesen zu sein, so etwas herstellen? Nach einigen Versuchen zu improvisieren, war die Hälfte der Gruppe bereit, so ein Wagnis einzugehen. Die andere Hälfte wünschte sich Text, Form und Struktur als Unterstützung. Nach langen Diskussionen und der Lektüre vieler, vieler Stücke, kamen wir zu einem tollen Kompromiss. Ein Stück das wie improvisiert wirkt, es aber nicht ist: „Heute Abend wird aus dem Stegreif gespielt...“ von Luigi Pirandello, in dem er sich mit dem Thema Improvisation und festgeschriebenem Text auseinandersetzt.

Nun war es aber doch nicht so einfach, wie wir uns es vorgestellt hatten. Die Geschichte verwirrte uns anfangs sehr, besonders wegen ihrer Struktur. Die Handlung selbst war ja nicht, wie bei den meisten Stücken, konstant, sondern wurde immer wieder von den Diskussionen der Darsteller unterbrochen. Diese Tatsache erschwerte den Versuch, das Stück als ganzes zu verstehen. Viel klarer wurde es uns, nachdem wir die Novelle, auf der das Stück basiert, gelesen haben. Besonders das Hauptthema und die starken Bilder und Handlungen berührten uns sehr. Einen Traum aufzugeben und Kompromisse zu schließen aus Angst oder Sicherheitsbedürfnis ist etwas, was wir alle nachvollziehen konnten. Jeder von uns konnte Teile von sich selbst in jedem der Charaktere wiedererkennen.

Bei den Proben wurde uns dann die größte Herausforderung des Stückes klar: eben dieser Wechsel zwischen Theater und Realität, den Charakteren und den Darstellern selbst. Wie sollten wir eine Rolle spielen und gleichzeitig uns selbst inszenieren, so wie wir sind? Wie kann man diesen klaren Unterschied verdeutlichen? Noch dazu, ist es möglich, Text zu memorisieren und ihn so vorzutragen, als ob er als Vorlage gar nicht existierte?
Je mehr wir uns mit dem Stück beschäftigten, desto klarer wurden die Antworten zu diesen Fragen. An der Umsetzung haperte es noch öfters. Regieanweisungen wie „Mach es einfach“, oder „willst du nicht lieber Specksteineulen schnitzen“ sowie „wir müssen uns alle ganz doll lieb haben“ haben sich im nachhinein als sehr hilfreich und motivierend erwiesen.

Ähnliche Schwierigkeiten entstanden auch bei den jeweiligen Arbeitsbereichen. Durch die vielen verschiedenen Gestaltungsmöglichkeiten konnten wir uns nicht auf eine Version des Bühnenbilds oder der Kostüme festlegen. Noch zwei Wochen vor der Aufführung kamen Änderungen und neue Ideen dazu.
Durch den Frust, die Tränen, die kleinen Streitereien aber auch den Spaß, den wir dabei hatten, konnten wir zum Endergebnis kommen und zur Entdeckung diverser Fähigkeiten, die in jedem Gruppenmitglied stecken. „Das kann ich nicht“ oder „ich werde es versuchen“ sind Sätze, die nunmehr aus unserem Wortschatz gestrichen sein müssten.

Alles in allem war es eine einzigartige Erfahrung, auf diese Art und Weise an einem solchem Projekt beteiligt zu sein. Selten bekommt man die Möglichkeit, sich in so vielen verschiedenen Bereichen kreativ auszutoben. Da wir teilweise den ganzen Tag damit beschäftigt waren, wichen die kleinen Probleme des Alltags immer mehr in den Hintergrund. Es ist ein unbeschreibliches Gefühl, bei so einem Entstehungsprozess dabei sein zu dürfen, vor allem mit dem Wissen, dazu beigetragen zu haben.



Viel Spaß!!!

 

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